Rede Stadträtin Sandra Graupner zur Einführung der Simsonkarte als tourismusfördernde Maßnahme

Sehr geehrter Herr Vorsitzender,

sehr geehrte Frau Oberbürgermeister,

sehr geehrte Damen und Herren Stadträte,

sehr geehrte Gäste,

 

zu der uns heute erneut vorliegenden Vorlage zur Einführung der Simsonkarte bin ich weiterhin zwiegespalten.  Und wissen Sie warum?

 

Die Grundidee der Einführung einer solchen Rabattkarte ist wirklich gut. Nicht umsonst werden ähnliche Modelle bereits mit Erfolg in vielen Städten praktiziert und etwas Ähnliches könnte durchaus zur Förderung des Tourismus in unserer Stadt beitragen.

 

Wichtig ist es jedoch dabei, dass wir auch die Bürger unserer Stadt nicht vergessen und dass diese im gleichen Maße wie die Gäste von einer solchen Karte profitieren können.

 

Nachdem wir hier bereits am 16.06.16  über die Thematik debattiert haben, sind fast vier Monate vergangen und noch immer sind wichtige Details nicht geklärt oder auch überhaupt nicht bedacht worden.

 

Die wichtigsten davon möchte ich hier kurz nennen:

 

  • Die Karte gilt nur für ausgewählte städtische Einrichtungen. Wie wurden diese aus-gewählt?
  • Bemerkenswert ist auch, die Form der Karte als Papierkarte mit Abschnitten zum Abreisen. Ist dies im digitalen Zeitalter noch zeitgemäß? Welche Verwaltungskosten verursacht dieses manuelle System? Ist die Karte in Anbetracht moderner Farbkopierer fälschungssicher? Um dies zu gewährleisten müssten Hologramme o.Ä. aufgedruckt werden. Wären da die Druckkosten von 5000 EUR da noch realistisch?
  • Für die Steigerung der Einnahmen aus den Entgeltbeiträgen in Höhe von mindestens 30000 EUR müssten mindestens 10000 Besucher über die Simsonkarte zusätzlich die genannten Einrichtungen besuchen. Ist das überhaupt realistisch zu erwarten?
  • Gilt der Rabatt in voller Höhe auch für ermäßigte Tarife? Dann müsste man, um die beabsichtigte Einnahmesteigerung zu erzielen, noch mehr Besucher akquirieren.
  • Aber das wichtigste sind die Kosten. Dabei wurden hier nur die Druckkosten angesetzt.

 

Aus meiner Sicht müssen dabei jedoch auch Kosten für die Gestaltung bzw. das Layout der Karte, Kosten für die Logistik (Transport zu Ausgabestellen), Kosten für eine Bewer-bung der Karte (mindestens Plakate, Aushänge in Ausgabestellen) und vor allem Verwaltungskosten für Organisation und Abrechnung kalkuliert werden. Eine volle Kostenrech-nung ist bisher nicht erfolgt.

 

Wenn man das alles noch berücksichtigt, ist dann die beabsichtige Einnahmeerhöhung noch realistisch?

 

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

 

diese Fragen muss man sich stellen und im Vorfeld genau darüber nachdenken. Aus Sicht der Liberalen Allianz ist dies bisher nicht genügend erfolgt.

 

Politik möchte schnelle Erfolge und genau das soll mit der Simsonkarte erzielt werden: ein schneller politischer Erfolg.

 

Wir möchten jedoch für die Stadt Gera ein gutes Ergebnis in der Sache. Aus diesem Grund werden wir dieser Vorlage, wie sie heute hier vorliegt, nicht zustimmen. In der Haushaltlage unserer Stadt können wir uns weder einen solchen Schnellschuss leisten, noch sind wir in der Lage einen Testballon steigen zu lassen und nach einem Jahr mal zu schauen, was es denn gebracht hat.

 

Wir würden uns wünschen, dass die Verwaltung die gemeinsame Grundidee der CDU- und der Links-Fraktion aufnimmt und selbst ein ausgefeiltes und vollständiges Konzept zu einer solchen Karte erstellt. Gern ist auch die Liberale Allianz bereit, dabei mitzuwirken.

 

Vorstellbar wäre für mich, die Einführung einer Karte, welche zu einem festen Preis für eine feste Dauer von allen Gästen und Bürgern erworben werden kann. Dafür gibt es feste Rabatte bei allen städtischen Einrichtungen. Eventuell kann auch in Betracht gezogen werden, dass mit der Karte der ÖPNV günstiger oder auch kostenlos genutzt werden kann. Weiterhin ist es denkbar, dass auch die lokale Wirtschaft in geeigneter Form integriert werden könnte. Von Vorteil wäre hierbei, dass die Karte und die Rabatte durch den Kartenpreis vorfinanziert wäre und es gleiche Regeln und Bedingungen für Gäste und Bürger gäbe.

 

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

 

mit einer Ablehnung dieser Vorlage möchten wir nicht die Idee an sich ablehnen, sondern der Verwaltung die Gelegenheit geben, diese ausbaufähige Idee zu nutzen und in aller Ruhe mit genügend Weitsicht die Umsetzung zu prüfen und offene Fragen zu klären. Denn deren Aufgabe ist es, so ein tragfähiges Konzept zu erstellen. Der Stadtrat kann den Prozess dann entsprechend begleiten.

 

Vielen Dank!