Geras Chancen für zukünftige Stadtentwicklung nicht verbauen – Freibad als Chance zur Stadtentwicklung darf nicht aufgegeben werden

In den letzten Sitzungen des Ausschusses für Bildung, Kultur und Sport (BKSA) sowie dem Ausschuss für Bau, Umwelt, Verkehr und Liegenschaften (BUVLA) brachte die Stadtverwaltung unter der Beschlussvorlage „Sanierungsgebiet Elsteraue – Hofwiesen: Vorbereitung der Aufhebung“ Abstimmungspunkte mit weitreichender Bedeutung für die stadtplanerische Entwicklung und die Zukunft der Bürger der Stadt Gera auf die Tagesordnung der Fachausschüsse. Im Dezember 2000 hatte der Stad-trat im Vorfeld der Bundesgartenschau die Satzung für das innerstädtische Sanierungsgebiet mit verschiedenen städtebaulischen Zielen zur Aufwertung des BUGA-Areals verabschiedet. Ziel war die Schaffung eines Volksparkes mit Erholungscharakter und modernen Sportstätten.

Die aktuelle Vorlage der Stadtverwaltung zielt nun darauf ab, den Beschluss des Stadtrates zum Sanierungsgebiet Elsteraue – Hofwiesen aufzuheben und wichtige vereinbarte Ziele der Stadtentwicklung aufzugeben. So soll nicht nur das Quartier „Am Bärenweg/Theaterstraße“ vorerst unsaniert bleiben, auch die Beschlüsse zur Errichtung eines Freibades im Hofwiesenpark und einer Radsporttrainingshalle in der Tschaikowski-Straße sollen nicht umgesetzt werden. Während für die Aufhebung der Quartiersanierung „Am Bärenweg/Theaterstraße“ nachvollziehbare Gründe sprechen, beraubt sich die Stadt Gera mit der Aufhebung der geplanten Errichtung eines Freibades und der Radsporthalle selbst um Entwicklungspotentiale für die Zukunft.

„Ich bin der Meinung, dass wir das Ziel eines Freibades im Hofwiesenpark beibehalten sollten. Gera als Oberzentrum braucht das Freibad insbesondere für Kinder und Jugendliche“, so Astrid Regel, Stadträtin der Liberalen Allianz und Mitglied des BUVLA. „Wir müssen neben Schulen, Theater und Straßenbahn den Bürgern weitere positive Aussichten der Entwicklung der Stadt Gera aufzeigen, um sie mitzunehmen und zu begeistern. Das geht aber nur, wenn wir jetzt dran bleiben! Im Jahr 2023, nach Ablauf des Haushaltssicherungskonzeptes, ergeben sich neue Chancen zur Entwicklung der Stadt. Für die Stadtplanung sind sechs Jahre ein kurzer Zeitraum“, so die Fachfrau für Stadtentwicklung. Daneben betrachtet Regel vor allem die Innenstadtlage und die bereits vorhandenen Infrastruktureinrichtungen wie den ehemaligen Parkplatz der BUGA, die gute Erreichbarkeit mit dem ÖPNV und mögliche Synergien mit dem Hofwiesenbad als herausragende Standortvorteile für ein Freibad am Hofwiesenbad. Andere Planungsvarianten böten diese kostengünstigen und idealen Vorteile nicht. Die vorgebrachten Argumente der Stadtverwaltung zur Aufhebung des Freibades lässt Astrid Regel nicht gelten. „Wenn ein Architekturwettbewerb oder Interessenbekundungsverfahren von der Stadtverwaltung ausgeschrieben wird, dann muss die Aufgabenstellung so konkret sein, dass alle Forderungen der Fachabteilungen im Hinblick auf Immissionen wie Lärm, die Größe der Wasserfläche oder Nutzung einer Teilfläche des Parks als Liegefläche beachtet werden. Wenn die Stadtverwaltung keine Konzepte entwickelt, bekommt sie auch kein Geld um Projekte voranzutreiben“.

„Eine Vorlage mit solcher Tragweite hat weitreichende Bedeutung für die Stadtentwicklung. Sowohl das Freibad als auch die Radsporthalle sind Projekte, für die zukunftsfähige Lösungen gefunden werden müssen. Der Beschluss darf ohne Ersatz für beide Vorhaben nicht aufgehoben werden“, bekräftigt Kerstin Pudig, die Fraktionsvorsitzende der Liberalen Allianz. Neben dem Freibad ist die Errichtung einer Radsporthalle in der Tschaikowskistraße auf dem früheren Textima-Gelände ein langjähriges Planungsziel, dass bisher aus bekannten Gründen nicht realisiert wurde. „Natürlich ist es schön und wünschenswert ein eigenes Freibad und eine Radsporthalle in Gera zu haben. Aber nicht nur die Finanzierung, vor allem die späteren Wartungs-, Instandhaltungs- und Betriebskosten werden für die Stadt ein Problem“, mahnt Falk Nerger, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Liberalen Allianz. „Andere Städte, um die es finanziell ähnlich bestellt ist wie Gera, haben ihre Bäder deshalb als erstes geschlossen. Wenn wir aber private Investoren finden würden, die ein Schwimmbad oder eine Radrennbahn bauen und betreiben wollen, würde ich die Projekte sehr begrüßen und unterstützen“. Pudig und Nerger plädieren dafür, die Vorlage zu verweisen und im Stadtrat sowie seinen Ausschüssen in einem offenen und sachlichen Diskurs alle Vor- und Nachteile abzuwägen. Solch weitreichende Entscheidungen, die aus dieser Beschlussvorlage hervor gehen, müssen im Hinblick auf die künftige Stadtentwicklung ausführlich diskutiert werden. Neben dem Freizeit- und Erholungswert eines Bades für die Bewohner Geras, wirkt sich der Betrieb einer Radsporthalle positiv auf das Image der Sportstadt Gera aus, geben die Fraktionsvorsitzenden zu bedenken.